Das Profil der Organisationspädagogik

Was ist/macht Organisationspädagogik?

Die Organisationspädagogik ist eine Subdisziplin der Pädagogik, die sich sowohl Organisationen (als Gestalt) als auch dem Organisieren (als Gestaltung) und der Verbindung beider Perspektiven, d.h. dem Organisieren der Organisation, widmet. Die Organisationspädagogik fokussiert dabei nicht vorrangig oder ausschließlich auf pädagogische Organisationen, sondern widmet sich pädagogischen Prozessen (u.a. Beratung, Bildung, Entwicklung, Lernen) in, von bzw. zwischen Organisationen aller Art und dessen professioneller, insbesondere pädagogischer Unterstützung.
Zentraler Gegenstand der Organisationspädagogik ist das Lernen in, von und zwischen Organisationen. Während das Lernen IN Organisationen vor allem individuelle und kollektive Lernprozesse in den Blick nimmt, die sich im Kontext und damit unter spezifischen Bedingungen der Organisation vollziehen, betrachtet das Lernen VON Organisationen diese als eigenständige Akteure, die u.a. intendiert vs. nicht intendiert oder implizit vs. explizit lernen können. Das Lernen ZWISCHEN Organisationen verweist darauf, dass Organisationen sich in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt entwickeln, die wiederum maßgeblich durch andere Organisationen strukturiert wird.


Die Organisationspädagogik ist als Disziplin in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) verankert – seit 2007 als AG, seit 2010 als Kommission und seit 2018 als eigenständige Sektion. Auf ihren seit 2008 jährlich stattfindenden Tagungen, aus denen jeweils Publikationen hervorgegangen sind, setzt sie sich mit theoretischen, methodologisch-methodischen und empirischen Fragestellungen der Organisationspädagogik auseinander.

 

Organisationspädagogik studieren#

Die wissenschaftliche Ausbildung in Organisationspädagogik befasst sich mit der organisationalen Verfasstheit pädagogischer Prozesse und der pädagogischen Verfasstheit organisationaler Prozesse.

In der wissenschaftlichen Ausbildung in Organisationspädagogik wird eine pädagogisch-professionelle Haltung angeeignet, die Normen- und Struktur- und Selbstreflexivität im Sinne einer pädagogischen Verantwortung verbindet.

Die wissenschaftliche organisationspädagogische Reflexion beginnt bei pädagogischen Theorien und Begriffen und blickt von da auf organisationsbezogene Phänomene und Begriffe (Führung, Qualität, Projekt etc.).

 

Organisationspädagog*innen…

  • fokussieren in ihrem Handeln die Verbesserung der organisationalen Bedingungen und Möglichkeiten menschlichen Lebens und Lernens.
  • gestalten Bildungs-, Lern- und Entwicklungsprozesse in, von und zwischen Organisationen zukunftsorientiert, ergebnisoffen und partizipativ.
  • sind sich gesellschaftlicher, organisationsstruktureller und -kultureller Bedingungen bewusst.
  • sind sich bewusst, dass sie nicht normfrei handeln, sondern dass sie Werte und Normen reproduzieren, kreieren und verändern.
  • agieren (selbst)reflexiv und fördern individuelle und kollektive Reflexivität von und in Organisationen.

 

# Dieser Text entstand auf dem Workshop zur Ausbildung in der Organisationspädagogik am 18. Oktober 2019 in Erlangen, an dem folgende Vertreter*innen der Hochschulstandorte teilnahmen:
Erlangen-Nürnberg: Nicolas Engel, Michael Göhlich, Ines Sausele-Bayer
Hannover: Navina Schilling
Hildesheim: Inga Truschkat
Linz: Claudia Fahrenwald
Kiel: Adrian Beutler, Anja Mensching
Koblenz: Henning Pätzold
Marburg: Susanne Maria Weber
Trier: Andreas Schröer

 

Für weitere Informationen:

  • Göhlich, Michael, Weber, Susanne Maria, Schröer, Andreas u.a. (2014): Forschungsmemorandum Organisationspädagogik. zu finden unter:

        DGfE Forschungsmemorandum Organisationspädagogik

  • Göhlich, Michael (2018). Geschichte der Organisationspädagogik. S. 17-28. In: Michael Göhlich, Andreas Schröer, Susanne Maria Weber (Hrsg.), Handbuch Organisationspädagogik. Wiesbaden: Springer VS.

 

Was sind die Schwerpunkte der Abteilung Organisationspädagogik am IfP?

Die neu gegründete Abteilung Organisationspädagogik am Institut für Pädagogik (seit WS 2018/19) widmet sich in ihrer Forschungs- und Lehrausrichtung dem Komplex des Lernens in, von und zwischen Organisationen – insbesondere aus einer praxeologischen, qualitativ-rekonstruktiven Analyseperspektive, die die alltäglichen Prozesse von bzw. in Organisationen in den Blick nimmt. Neben dem organisationalen Lernen werden weitere pädagogische Grundvorgänge (u.a. Bildung, Erziehung, Sozialisation, Entwicklung) in Organisationen fokussiert und vor dem Hintergrund gesell-schaftlicher Entwicklungen und wechselseitiger Beeinflussungen thematisiert.


In grundlagentheoretischer und anwendungsorientierter Forschungsausrichtung stehen dabei folgende thematische Schwerpunkte im Fokus der Abteilung Organisationspädagogik: 

  • Organisationspraktiken & Lernkulturen: organisationskulturelle bzw. -strukturelle Bedingungen und ihre Auswirkungen auf organisationale Lernprozesse; Zusammenhänge zwischen Organisationskulturen u. Lernarrangements; Bedingungen und Praktiken (gelingenden) organisationalen Lernens 

  • Organisation & Profession: differierende organisationale bzw. professionelle Erwartungen und potentiell daraus resultierende Konflikte; Herausforderungen des Managens zwischen professionellem Habitus und organisationalen Bedingungen 

  • Organisationales Lernen & Gedächtnis: Praktiken des Erinnerns und Vergessens von/in Organisationen als Basis organisationalen Lernens; Verlernen als aktives Vergessen organisationaler Praktiken

Für interessierte Praktiker*innen bietet die Abteilung Organisationspädagogik zudem Unterstützung bei geplanten bzw. aktuell durchgeführten organisationalen Lernprozessen, bei der Reflexion oder Evaluation aktueller Entwicklungen in Organisationen und begleitet Organisationen bei Veränderungsprozessen. 


Uns ist die Verbindung von organisationspädagogischer Forschung und Praxis (u.a. über Evaluationsprojekte, Forschungs-Praxis-Transfer, Organisationsberatung) ein wesentliches Anliegen. Der Fokus liegt dabei auf der Begleitung organisationaler Lern- und Entwicklungsprozesse und dem Angebot alternativer Deutungen und Vorgehensweisen zu den in der jeweiligen Organisation bereits etablierten Praktiken und Routinen, die eine Veränderung des Blickwinkels und damit eine Weiterentwicklung ermöglichen.


Wir unterstützen Organisationen – sowohl im pädagogischen Bereich als auch jenseits dessen, sowohl Organisationen der öffentlichen Hand als auch Unternehmen – bei der Gestaltung von Lern- u. Organisationsentwicklungsprozessen, begleiten sie in Umbruchs- und Veränderungssituationen und beraten sie bei der Bearbeitung organisationaler Konflikte und Krisen. Zudem bieten wir Begleitung bei der konzeptionellen Entwicklung "gelingender" organisationaler Lernarrangements an.


Bei Interesse nehmen Sie jederzeit gern Kontakt mit uns auf über: bau@paedagogik.uni-kiel.de (Sekretariat OP)